Satsang-MP3-Download!
Vom Satsang im Januar 2007.
Mehr davon gibt es auf CD im Shop.
*****
Leseprobe „Satsang-Gespräche mit Gaia“,
Gesprächssammlung I
Gaia: Die nächsten Stunden können wir über das reden,
worüber es nichts zu sagen gibt. Und trotzdem kenne ich nichts,
das interessanter wäre. Wir können alle entspannen, es
gibt nichts zu tun, es gibt nichts zu erreichen. Du kannst nichts
verpassen. Wir können den Moment hier nutzen, um einfach zu
genießen, was hier ist. Satsang ist eine Einladung, einfach
nur hier zu sein und das Hier-Sein zu erforschen, wie es ein kleines
Baby erforschen würde. Das Baby weiß überhaupt nicht,
was es da erforscht, aber es erforscht. Wir Ausgewachsenen haben
da gewisse Nachteile, weil wir glauben, so viel zu wissen. Wir glauben
zu wissen, dass das zum Beispiel ein Teppich ist und das eine Tapete
und so weiter. Dementsprechend fällt es uns schwer, frisch
zu erfahren. Es wird sofort gespeichert: Tapete - ab in die Schublade.
Teppich - ab in die Schublade. Der Moment - ab in die Schublade.
Die Einladung im Satsang ist, einmal hier zu sein ohne diese ganzen
Benennungen und zu erfahren, was dann geschieht. Oftmals sind wir
auf der Suche nach irgendwas und wenn wir dann im Satsang landen,
sind wir meistens auf der Suche nach Erleuchtung, nach innerem Frieden,
nach Stille, nach Glückseligkeit, nach Präsenz –
nach irgendwas, das unser Leben glücklicher machen könnte.
Schau mal für dich nach und zwar direkt hier, jetzt: Was passiert
für dich, wenn du die ganzen Benennungen weglässt? –
Genau das! Ja, das ist es schon. Das ist genau das, was wir suchen
- Frieden, nur haben wir es uns anders vorgestellt. Wir haben gedacht,
dass es irgendetwas ganz Besonderes sein müsste. Das, was wir
von Natur aus sind, ist vollkommen frei und anstrengungslos einfach
nur hier – jetzt schon!
Wer jetzt hier den Moment so erfährt, als wäre er anstrengend,
für den ist es Grund genug zu mir zu kommen und das zu hinterfragen
und anzuschauen: Was ist hier los? Wer das Gefühl hat, es gäbe
irgendwelche Situationen, die es nicht erlauben würden, anstrengungslos
hier zu sein, auch für den wäre es Grund genug herzukommen
und das zu hinterfragen. Wer in sich einfach den Impuls spürt
hierher zu kommen, der muss sich keine Frage ausdenken. Du kannst
einfach so kommen, wenn es dich zieht. Falls du neueste Erkenntnisse
von Liebe, Freiheit und Wahrheit gewonnen hast und die der Gruppe
mitteilen willst, dann kannst du das auch gerne tun. Wir brauchen
hier nicht spirituell zu erscheinen, wir können wirklich einfach
so sein, wie wir sind. Um das Spirituelle können wir uns kümmern,
wenn der Körper nicht mehr da ist. Im Moment haben wir alle
irgendwie mit diesen Körpern zu tun, so können wir also
das, was wir im Spirituellen erreichen wollen erst einmal hier verkörpern
beziehungs-weise erkennen, dass es schon so ist. Du kannst mit allen
Problemen, scheinbaren Problemen, mit allen scheinbaren Schwierigkeiten,
die dir jetzt erscheinen, herkommen, und wir schauen einfach nach,
was los ist. Wir brauchen nicht heilig zu sein, aber wir können
es natürlich. Das war es von meiner Seite, was ich zu sagen
hatte. Und wenn es Spaß macht, wieder Worte aus meinem Mund
zu hören, kannst du einfach kommen und mich irgendetwas fragen,
und dann kommt meistens auch irgendetwas.
******
Was du bist, durchdringt alles (Auszug)
Sie: Du hast mal gesagt, „Wir laufen einer angenehmen Erfahrung
hinterher und vergleichen das damit, im Hier und Jetzt zu sein.“
Für mich stellt sich jetzt die Frage: „Wie spüren
wir das, dass wir im Hier und Jetzt sind?“ Ich merke, dass
ich ganz häufig denke, und dann ist es wie ein Rad. Aber nicht
zu denken ist auch schwierig.
Gaia: Sehr schwierig.
Sie: Ja. Du hast gesagt, dass wir nichts tun müssen, nicht
meditieren, kein Yoga praktizieren. Für mich ist es nur so,
dass sich nach dem Yoga oft ein angenehmer Zustand einstellt. -
Ist das nun gut oder schlecht?
Gaia: Also, wir können weiterhin meditieren oder Yoga machen
oder was immer uns Spaß macht. Aber wir es müssen nicht.
Aber wir können es.
Um auf das hinzuweisen, was deine anfängliche Frage war: „Woher
weiß ich, wann ich im Hier und Jetzt bin?“ Deine Erfahrung
jetzt ist: Ich bin jetzt hier. Stimmt, oder?
Sie: Ja.
Gaia: Ich bin jetzt hier. Schauen wir mal nach. Was ich das Ich?
Wie ist die direkte Erfahrung, das direkte Wissen unmittelbar?
Sie: Ich kann es nicht beschreiben.
Gaia: Du kannst es nicht beschreiben. Wie würdest du diese
Erfahrung beschreiben, dieses Ich weiß es nicht. Ich kann
es nicht beschreiben. Wie ist das?
Sie: Also ...
Gaia: Du könntest sagen, wenn dein einziges Wissen ist: Ich
bin jetzt hier und sonst die Erfahrung auftaucht: „Ich habe
keine Ahnung“ – dass das ein Hinweis darauf ist, Im
Hier und Jetzt zu sein.
******
Einfach so sein
Er: Es ist einfacher bei dir und bei der Gruppe hier zu Hause zu
sein und zu genießen und so zu sein, wie ich mich im Moment
fühle. Das kann ich sonst nicht so leicht.
Gaia: Ja, war haben oft das Gefühl, dass wir uns verstecken
müssen, dass wir nach außen anders sein müssen als
wir innen sind. Wir wollen keinen wissen lassen, wie wir uns wirklich
fühlen. Nur wenn wir uns gut fühlen darf jeder teilhaben,
aber wenn es irgendwie traurig ist oder deprimiert, dann machen
wir dicht. Aber wir verletzen uns damit die ganze Zeit selbst.
Er. Darauf habe ich eigentlich keine Lust mehr.
Gaia: Wir haben ein Bild von uns, wie wir sein sollten, wie wir
gesehen werden wollen. Und das tut weh, weil wir es immer aufrechterhalten
müssen. Wir bekommen selten die Einladung, einfach so zu sein.
Selbst in vielen Satsangs bekommen wir noch die Einladung, irgendetwas
zu erreichen, Präsenz oder Stille oder Frieden. Es gibt diese
Aussage: „Mitten im Tornado, mitten im Zentrum, ist es still.“
Da ist nichts. Außen fliegen die Autos und die Häuser
durch die Gegend, und mittendrin ist es still.
(Schweigen)
Er: Ja, danke.
Jesus am Kreuz – absolut im Hier und Jetzt (Auszug)
Sie: Ich habe mutig begonnen, „Stopp!“ zu sagen, wenn
Menschen nur dieses und jenes Böse reden und kritisieren.
Gaia: In manchen Situationen ist es überhaupt keine Schwierigkeit
„Stopp!“ zu sagen. Wir können immer, wenn uns jemand
versucht zu manipulieren „stopp!“ sagen.
Sie: Ja, dann bin ich in meinem Hier und Jetzt.
Gaia: Ja, das ist in dem Moment deine Wahrheit: „Stopp!“
Es gibt aber auch Situationen, in denen können wir stopp sagen
so viel wir wollen, und es interessiert keinen. Zum Beispiel stehen
wir am Strand, und wollen keine nassen Füße kriegen,
und das Meer kommt, und wir sagen: „Stopp Meer!“ - Das
ist dem Meer egal. Das kommt einfach und macht uns die Füße
nass.
Sie: Das ist es: Ich bin das Meer, und das Meer ist ich. Das ist
angenehm.
Gaia: Es ist einfach nur ein Bild. Es gibt Situationen, in denen
können wir zwar stopp sagen, aber es interessiert keinen.
Sie: Ich kann mich dann aber entfernen. Ich meine, soweit das möglich
ist. Ich weiß, im Zug oder im Flugzeug kann ich das nicht.
Gaia: Ja. Jesus am Kreuz war zum Beispiel in einer Situation, in
der es kein Entrinnen mehr gab - absolut im Hier und Jetzt.
Sie: Ja.
Gaia: Und symbolisch gesehen heißt das: Egal wie die Situation
ist – und das ist eine der schlimmsten, die wir uns vorstellen
können – bin ich hier und bin die Liebe.
Sie: Ja.
„Satsang-Gespräche mit
Gaia“, Gesprächssammlung I kann als Ringheftung verschickt
werden. Kosten für die Sammlung 15,90 €. Die zusätzlichen
Versandgebühren betragen 3,- €, zusammen also 18,90 €.
Sie kann bestellt werden bei Venu
per Mail: venu@gaia-stasang.com
oder telefonisch unter 0176 61127384.
Leseprobe „Satsang-Gespräche mit Gaia“, Gesprächssammlung
II
Was ist Präsenz?
Er: Ich war nun schon ein paar Mal vorne, aber ich bin immer wieder
aufgeregt. – Du sagest vorhin, dass man ohnehin schon immer
da wäre.
Gaia: Nicht man, du.
Er: Ich kenne dieses im Hier-und-Jetzt-Sein, dieses Gegenwärtig-Sein
und Dinge bewusst zu tun, und es ist schon anders, als wenn ich
voller Gedanken bin und in Hektik. Bei dem einen ist mehr Frieden,
bei dem anderen irgendetwas anderes. Das eine ist besser als das
andere, finde ich. – Jetzt habe ich noch keine Frage gestellt,
oder?
Gaia: Gibt es denn eine?
Er: Also, mir wäre es lieber, wenn es mir öfter gut ginge
und seltener schlecht.
(Lachen)
Gaia: (Lachen) Mir auch. Nur habe ich festgestellt, dass es der
Realität total egal ist, was ich will. Was ich weiß ist:
Wenn ich will, dass es mir gut geht, ist meine Erfahrung, dass es
mir nicht gut geht.
Er: Hmm.
Gaia: Wenn ich will, dass es anders ist, ist meine Erfahrung, dass
es nicht anders ist.
Er: Es geht aber nicht, nicht zu wollen.
(Lachen)
Gaia: Welche Schwierigkeit ist jetzt hier?
Er: (Lachen) Es ist ja immer das Gleiche. Wenn ich hier vorne sitze,
ist alles in Ordnung. Das ist aber ein Trick. Denn wenn ich morgen
früh aufwache und zur Arbeit muss, ist es nicht so. Aber dann
sagst du: „Morgen ist morgen. Wir sind jetzt hier.“
Gaia: Ja.
(Lachen)
Gaia: Es ist wahr, oder? Wir sind jetzt hier. Und ich weiß
nicht, was morgen ist. Ich weiß, wenn ich mich mit der Vergangenheit
beschäftige, dass das meistens sehr anstrengend und unangenehm
wird, ich beschäftige mich dann mit etwas Totem. Es ist vorbei,
es ist gar nicht da. Zudem erschaffe ich mir damit eine Zukunft.
Denn wenn du davon sprichst, morgen früh zur Arbeit zu gehen,
sprichst du eigentlich von gestern oder heute früh, also von
der Vergangenheit.
Er: Ach so, ich projiziere.
Gaia: Und das lässt mich in der Geschichte sein, dass ich jemand
bin, der irgendetwas besser machen könnte. Dein Versuch, der
hier gerade stattfindet, ist, eine Lösung für morgen früh
zu finden.
Er: Genau.
Gaia: Unser Verstand ist so geschickt, der sagt uns: „Ja,
wenn ich hier bei dir sitze, geht es mir gut. Aber das ist ein Trick.“
Was passiert, ist, dass die Aufmerksamkeit direkt hier in die Präsenz
geht. Das hat nichts mit mir zu tun. Alles, was ich mache, ist,
dich darauf hinzuweisen. Es passiert von selbst. Dein Interesse
ist da, und das ist schon die halbe Miete könnte man sagen.
Dann ist tatsächlich auch nicht einmal wirklich ein Gefühl
da, jemand zu sein, der getrennt ist von dem Moment. Aber das ist
eine Aktivität, die immer wieder auftaucht: „Gaia und
ich.“ In dem Moment, in dem die Aufmerksamkeit hier ist, ist
nicht einmal eine Idee da von Präsenz oder von Gegenwärtigkeit
oder Leere oder irgendetwas. Das kommt immer erst, wenn der Verstand
wieder einsetzt und interpretiert. Das ist einfach eine Aktivität,
die stattfindet, ziemlich konstant eigentlich. Aber noch konstanter
ist das da, was sich darüber bewusst ist. Es ist die ganze
Zeit da – und du bist dir darüber bewusst. Geht die Aufmerksamkeit
zu DEM, ist die Idee von: „Ich brauche ..., ich will ...,
ich muss ...“ wenigstens für einen Bruchteil einer Sekunde
verschwunden. Dann taucht ein Zustand auf, und wir wollen diesen
Zustand haben. Der Zustand, der aber auftaucht, ist immer verschieden.
Manchmal ist es Glückseligkeit, manchmal ist es Stille, manchmal
Frieden, manchmal Schmerz oder Trauer. Aber Schmerz oder Trauer
wollen wir nicht, wir wollen nur Frieden und Glückseligkeit.
Das ist genauso, als wenn ich sagen würde: „Ich will,
dass es mir nur gut geht.“ Dein natürlicher Zustand ist
schon Glückseligkeit – ohne, dass das gewollt wird.
Er: Und das heißt dann?
Gaia: Nichts. (Lachen) Das heißt: Entspann dich. Es gibt nichts
zu erreichen.
Er: Wenn du sagst, dass es überhaupt nichts bringt, über
die Vergangenheit nachzudenken, stimme ich dir zu. Das Problem ist
nur, dass ich das nicht so beeinflussen kann. Ich habe wenigstens
den Eindruck, dass es so ist.
Gaia: Wenn dein Interesse ist, im Moment zu sein, siehst du, dass
dieses Interesse dich wieder in den Moment zieht. Es gibt auch Menschen,
die haben dieses Interesse nie gehabt und ihre Aufmerksamkeit ist
hier und jetzt und ist auch nicht mehr weggegangen. Aber Interesse
ist schon sehr hilfreich.
Er: Die Aufmerksamkeit auf den jetzigen Moment zu richten. Habe
ich das richtig verstanden, dass das alles ist, was ich tun kann?
Gaia: Du kannst nicht einmal die Aufmerksamkeit auf das Hier und
Jetzt richten, aber du kannst schauen, wo sie gerade ist. Das ist
eine Möglichkeit, die immer da ist.
Er: Ach so.
Gaia: Aber oft denken wir gar nicht daran. Wenn dieser Gedanke kommt
zu schauen, wo denn die Aufmerksamkeit ist, ist das Gnade, ja? Es
ist ein großes Glück.
Er: Hmm. Du sagst: „Guck mal, wo deine Aufmerksamkeit jetzt
ist“, und dann geht es mir besser. So ungefähr?
Gaia: Vielleicht geht es dir besser.
Er: Ich habe letzte Woche geübt, mal ein bisschen mehr präsent
zu sein. Es hat auch ganz gut funktioniert. Aber nur zwei Tage lang.
(Lachen)
Gaia: Immerhin.
Er: Ja, immerhin. Und es war schon sehr angenehm, muss ich sagen.
Aber dann war es wieder weg. Für mich ist es schwer, das zu
tun.
Gaia: Für mich auch. – Hier ist jetzt überhaupt
keine Anstrengung notwendig, um präsent zu sein. Jede Anstrengung,
die du unternehmen würdest, um präsent zu sein, bringt
dich scheinbar weg. Hier muss nichts verstanden werden. Papaji hat
immer gesagt: „Eine Millisekunde mit der Aufmerksamkeit hier
– das reicht.“
Er: Das ist nicht viel.
Gaia: Das ist nicht viel.
Er: Aber reicht wofür?
Gaia: Das reicht fürs ganze Leben. Weil das so wunderbar ist,
dass du dich danach sehnst, da zu sein. Es weckt das Interesse.
Er: Hmm. – Als ich letztens auf einem Seminar war, fiel es
mir sehr leicht, danach mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt
zu sein. Aber ich habe irgendwie den Eindruck, dass es aus meiner
eigenen Kraft heraus sehr schwer möglich ist. Also, auch wenn
ich mich selbst befrage und versuche im Hier und Jetzt zu sein,
ist es schwer. Wenn ich dann mit Leuten zusammen bin wie hier zum
Beispiel, die auch nach der Wahrheit suchen, ist es viel leichter.
Gaia: Das ist auch meine Erfahrung. Das ist die so genannte gute
Gesellschaft.
(Lachen)
Gaia: So ist es vielleicht doch förderlich, solange die Aufmerksamkeit
so schnell wieder zum Gewohnten geht, solche Treffen aufzusuchen,
wo gefördert wird, dass die Aufmerksamkeit in der Präsenz
liegt. Der eine sagt dann vielleicht: „Diese Workshops sind
immer am Wochenende. Aber dann will ich zum Fußball gehen.“
Oder die andere möchte tanzen gehen oder einkaufen. Es ist
einfach so: Es hängt von deinem Interesse ab.
Er: Wenn da einer ist, der das anbietet, gehe ich da auch hin.
Gaia: Es ist so simpel, gar nichts zu tun, oder?
Er: (Lachen)
Gaia: Es ist einfach. Es ist keine Anstrengung.
Er: Ja, jetzt gerade nicht. Am besten bleibe ich immer hier sitzen.
Dann geht es mir immer gut. Oder ich nehme dich mit zu meiner Arbeit
morgen.
Gaia: Und die anderen auch. (Lachen)
Er: Ja, es ist schon einfach. Das ist richtig.
Gaia: Hier im offiziellen Satsang können wir das einfach üben,
anstrengungslos und ohne irgendwo hinkommen zu müssen. Es ist
ein schönes Übungsfeld. Und wir dienen uns hier alle gegenseitig.
Es sieht so aus, als wäre ich präsenter als du, aber es
sieht nur so aus. Es gibt keinen Unterschied. Präsenz ist Präsenz.
Er: Was heißt denn Präsenz? Ist das die Abwesenheit von
Gedanken?
Gaia: Nein. Präsenz ist ein Zulassen von dem, was hier ist.
Egal, wie es ist. Damit meine ich nicht, nicht mehr zu handeln.
Zulassen von dem, was ist, heißt auch, die Handlung zuzulassen.
Man kann es so schnell missverstehen: „Zulassen heißt,
ich muss alles über mich ergehen lassen. Egal, welche Situation
da ist, ich muss drin bleiben.“ Ich kann, wenn es kalt ist,
ruhig aufstehen und das Fenster zumachen. Ich muss nicht sagen:
„Ah ja, es ist präsent, wenn ich jetzt hier bleibe und
friere.“
(Lachen)
Er: Also, du sagst jetzt: „Ich lasse es zu, dass ich aufstehe
und das Fenster schließe.“
Gaia: Es ist verflixt mit den Worten. Wie könnte ich es noch
ausdrücken? – Oft wollen wir weg von unseren Empfindungen,
dann taucht auf: „Ich will..., ich brauche ...“ Das
würde ich als nicht präsent bezeichnen. Mit Gefühlen
oder Empfindungen da sind, die nicht angenehm sind, hier zu sein,
sie zu spüren, nenne ich Präsenz.
(Schweigen)
Er: Alles klar. (Lachen) Danke.
******
Ich will erwachen
Sie: Ich will erwachen.
Gaia: Wann?
Sie: Jetzt.
(Lachen)
Gaia: Immer noch? – Jetzt, hier, was fehlt dir zum Erwachen?
(Lachen)
Sie: Nichts.
Gaia: Erledigt, ja?
(Lachen)
Gaia: Wirklich, das ist jetzt kein Spaß.
Sie: Ja, ich weiß.
Gaia: Jetzt, hier ist nichts nötig zum Erwachen. Derjenige,
der erwachen will, ist nicht mehr da, ja? Erwachen ist direkt hier.
Sie: Ja.
Gaia: Papaji hat immer gesagt: „Sei still.“ Denn jetzt
ist es still, du brauchst nicht still zu sein. Jetzt bleib einfach
still.
Sie: Okay.
(Schweigen)
Gaia: Es ist wirklich so einfach. Und sobald du die Zukunft oder
die Vergangenheit dazunimmst, ist es so kompliziert. Derjenige,
der erwachen will, kann nicht erwachen – weil derjenige will.
Wenn Erwachen da ist, ist keiner mehr da, der das will. Also der,
der das will, kann nie erwachen. Das geht nicht. Erwachen ist unpersönlich.
Wenn du aus einem Traum erwachst, ist der Traum vorbei. Derjenige
im Traum ist nicht mehr da, wenn Erwachen geschieht. Aber wir haben
diese Idee: „Ich will erwachen, und ich kann erwachen.“
So wie: „Ich kann gesund werden.“ Oder: „Ich kann
etwas essen.“ Okay?
„Satsang-Gespräche mit
Gaia“, Gesprächssammlung I kann als Ringheftung verschickt
werden. Kosten für die Sammlung 15,90 €. Die zusätzlichen
Versandgebühren betragen 3,- €, zusammen also 18,90 €.
Sie kann bestellt werden bei Katharina
per Mail: katharina.henke@gmx.net oder telefonisch unter 05136/9723244.
Ein Interview, das kürzlich
mit Gaia geführt wurde:
Seit dem Jahre 2000 gibt Gaia, nach 4 jähriger "Lehrzeit"
bei Isaac Shapiro Satsang, wann immer er dazu eingeladen wird. Seine
direkte, bescheidene, völlig un-"meisterliche" Art
wird von denen, die zu ihm kommen geschätzt. Jeder darf hier
mit seinen Fragen, Problemen oder auch mit seiner Freude kommen
und Gaia nutzt jede Gelegenheit die Menschen auf ihr wahres Sein
hinzuweisen.
Frage: Viele glauben ja, dass man Erleuchtung nur auf dem steinigen
Weg der Tugend erfahren kann, dass das Leben fast jeder Sinnenfreude
beraubt werden muss. Wie siehst du das?
Gaia: Wenn ich mich kasteien muss und nicht mehr genießen
darf, wie fühle ich mich dann? Entweder bin ich stolz auf meine
Selbstbeherrschung, sehe auf diejenigen, die nicht so sind, herab
oder ich werde verkniffen und jeder Tag zu einer Tortour. Auf jeden
Fall ist dies eine Garantie dafür mich als Jemand zu erfahren.
Ich erfahre mich nicht als grenzenloses Sein oder bedingungslose
Liebe. Ich bin gefangen in Konzepten von Gut und Böse und bin
alles andere, nur nicht frei.
F: Wie kann ich denn genussvoll leben, ohne genusssüchtig zu
sein?
G: Wie kannst du nicht genussvoll leben? Durch unsere Erziehung
und die jahrhunderte alte Konditionierung durch die Kirche, wurde
uns gelehrt, dass man alles darf, solange es mühsam ist und
keinen Spaß macht. Wenn ich jedoch erkenne, dass es nur diesen
jetzigen Moment gibt und gestern oder morgen nicht existieren, wenn
ich erfahre, dass alles was ich sehe, höre und erlebe durch
meinen Verstand gefiltert, das heißt beurteilt und eingeschachtelt
wird, kann ich hinter den dichten Vorhang meiner Gedanken sehen,
und ich erlebe am eigenen Leib, dass das Leben pure Freude ist.
Ich sehe, dass selbst dieser Vorhang niemals existiert hat, sondern
auch nur ein Produkt der Gedankenaktivität war.
F: Du meinst die Sucht nach Genüssen ist eine Folge von zu
viel denken?
G: Nicht von zuviel denken, sondern von dem ausschließlichen
Fokus darauf. Unsere ganze Erziehung, Schule und Wissenschaft betet
den Intellekt an. Ich will den Verstand nicht schlecht machen, er
hat seine Berechtigung. Er ist ein fantastischer Problemlöser
für praktische Dinge. Wie backe ich einen Kuchen, wie repariere
ich den Wasserhahn. Hier kann er helfen. Aber wenn ich Probleme
in meiner Partnerschaft habe oder unter Depressionen leide, wird
er mir nicht dienlich sein.
F: Wie kann man Probleme lösen ohne zu denken?
G: Das ist viel einfacher als man denkt. Dazu möchte ich ein
paar Mechanismen des Denkens erklären, so wie ich sie für
mich erkannt habe.
Ich habe z.B. Angst meinen Job zu verlieren. Heute werden viele
von Ängsten dieser Art geplagt. Unsere normale Reaktion ist
uns anzuspannen, sowohl im Körper als auch im Geist. Die Gedanken
fangen an zu rennen und präsentieren irgendetwas, das je nach
Konditionierung durch mein bisheriges Leben, logisch erscheint.
Aber tatsächlich hat weder mein Denken noch die Verspannung
irgendeinen Einfluss auf das Geschehen der Welt. Die Angst wird
als körperliche Empfindung wahrgenommen und ich versuche ihr
zu entfliehen, aber das ist unmöglich. Die Empfindung ist bereits
da und so sehr ich mich auch anstrenge, ich komme hier nicht weg.
Die Lösung ist deshalb, zu erkennen wie unsinnig meine Fluchtversuche
sind, dann inne zu halten und das Gefühl ohne jede Benennung
zu erforschen.
Diese Art des Umgangs mit Problemen haben wir nicht gelernt, aber
sie führt zu erstaunlichen Erlebnissen, bis hin zum sogenannten
"Erwachen".
F: Was verstehst du unter Erwachen?
G: Erwachen ist die Erkenntnis, dass nichts was du bisher geglaubt
hast wahr ist, aber dass alles was du tief in dir geahnt hast, Wirklichkeit
ist. Als Kinder hatten wir dasselbe Bewusstsein von uns wie auch
heute noch. Wer bin ich, wenn ich nicht dieser Körper, die
Gedanken oder die Gefühle bin? Diese verändern sich andauernd,
ich bin aber immer gleichgeblieben und immer anwesend. Es gibt eine
Instanz, die sich über alles bewusst ist. Oft wird sie als
der Bobachter bezeichnet, doch Beobachten beinhaltet noch Aktivität.
Die Instanz, die ich meine ist völlig still, unbeschreiblich
und sie ist keine Erfahrung. Sie ist einfach. Auch jetzt direkt
hier. Sie ist nur so unscheinbar, dass wir sie übersehen. Niemand
hat uns darauf aufmerksam gemacht. Unser Fokus ist auf die Dinge
gerichtet, die kommen und gehen. Deshalb nehmen wir diese unspektakuläre
Anwesenheit nicht wahr.
F: Aber viele berichten von spektakulären Erfahrungen, Extase
usw. Was ist das?
G: Manchmal können solche Erfahrungen auftauchen, aber sie
sind nur Begleiterscheinungen. Sie können wunderschön
und exstatisch sein. Wenn wir solche Erfahrungen mit dem Sein verwechseln,
sind wir verloren. Wir werden versuchen wieder in diesen Zustand
zu gelangen und verzweifeln, wenn es nicht gelingt. Ob und wann
wir erwachen, liegt nicht in unserer Hand. So sehr wir auch üben,
uns anstrengen und reinigen, nichts kann uns dem näher bringen,
denn wir sind bereits frei und erleuchtet. Es ist reine Gnade das
erkennen zu dürfen.
F: Willst du damit sagen, wir hätten keinen Einfluss auf das
was mit uns geschieht, keinen freien Willen?
G: Wenn du genau jetzt den gegenwärtigen Moment betrachtest:
Welche Möglichkeit hast du anders zu handeln, als du es gerade
tust? Wir leben in der Illusion, frei entscheiden zu können.
Tatsächlich kann man bei genauer, ehrlicher Untersuchung des
Augenblicks feststellen, dass wir keine Kontrolle über unser
Leben haben oder je hatten, sondern immer aufgrund unserer Erziehung
und der Umstände auf Ereignisse reagieren. Wir haben keinen
Einfluss darauf wer unsere Eltern sind, wer unsere Geschwister,
Freunde oder Lehrer oder ob wir als Junge oder Mädchen geboren
werden. Die Zeit, in der wir aufwachsen mit ihren Vorstellungen
von Moral, Recht und auch der Kulturkreis in den wir hineingeboren
werden, prägen unseren Blick auf die Welt. So wird ein Afrikaner
anders mit einer Situation umgehen, als eine Grönlandländerin.
Wo sollte da ein freier Wille sein? Alles was wir tun können
- und das ist nicht wirklich ein Tun - ist uns gewahr zu sein, was
passiert und welche Empfindungen das in unserem Körper und
Geist auslöst. Fühlt es sich angespannt an, ist das ein
hervorragendes Zeichen dafür, dass wir versuchen uns vor etwas
zu schützen und einem unangenehmen Gefühl zu entfliehen.
Sich auf das, was ist einzulassen ohne den Interpretationen des
Verstandes zu glauben, bedeutet zum ersten Mal tatsächlich
seinen Körper zu fühlen, das Leben sinnlich zu erleben.
Erwachen ist innerhalb von Sekunden möglich ohne das es besondere
Voraussetzungen braucht. Doch dann geht es darum das zu verkörpern.
F: Was genau meinst du mit verkörpern?
G: Die meisten von uns sind nicht wirklich in ihrem Körper
zuhause. Normalerweise betrachten wir ihn von außen. Wir schauen
auf unsere Körperteile oder in den Spiegel, wir haben nicht
gelernt den Körper von innen heraus zu spüren. Aber das
ist ganz leicht. Es muss uns nur einmal gezeigt werden. Dadurch
entsteht ein ganz anderes Körpergefühl. Am Anfang sollte
man einfach nur mit seinem physischen Körper üben, dann
mit schönen Gefühlen und wenn man das eine Weile gemacht
hat, kann man auch unangenehme Gefühle ausprobieren. Man kann
sogar andere Körper in sich erforschen, indem man darauf achtet
welche Gefühle sie in uns auslösen. Besonders die Gefühle,
die wir eigentlich nicht mögen oder sogar fürchten, sind
die Tore zu einem völlig anderen Lebensgefühl. Aber das
kann man nicht mit Worten ausdrücken, dafür gibt es keiner
Sprache, die richtigen Worte. Das kannst du nur selbst erleben.
F: Sprichst du darüber auch im Satsang?
G: Ja. Es kommt natürlich auf die Menschen an, die mit mir
sprechen wollen. Wo sie gerade stehen, was sie dazu bringt in den
Satsang zu kommen und viele andere Voraussetzungen. Ich habe kein
Konzept, nehme mir nichts Bestimmtes vor. Ich bin einfach da. Es
gibt auch keinen Vortrag, manchmal eine kurze Einführung, aber
ich tue das nicht. Es geschieht und ich wundere mich manchmal selbst
was so alles aus mir herauskommt.
Ich kann Hinweise geben in welche Richtung du schauen kannst, aber
du musst es dann selber tun. Jeden, der mit offenem Geist zu mir
kommt, lade ich ein, nicht zu glauben was ich erzähle, denn
wenn du etwas glaubst, kommt immer wieder Zweifel hoch. Sobald du
jedoch eine Erfahrung gemacht hast und dir dann selbst beantworten
kannst, was du dich immer schon gefragt hast, hat Zweifel keinen
Platz mehr. Mein Hauptinteresse ist, dass du siehst, dass du frei
bist.
F: Du sagst frei bist, nicht frei wirst. Kannst du das erklären?
G: Du bist bereits frei. Manche nennen es Erleuchtung, bedingungslose
Liebe oder Sein, aber egal wie du es bezeichnest, du bist es jetzt
schon. Darum gibt es auch keine Technik und keinen Trick wie du
dahin kommst. Wie könntest du dich hinsetzen, wenn du bereits
sitzt? Weil die meisten jedoch bestimmte Vorstellungen davon haben,
wie es aussehen muss, wenn man im Sein ruht, können sie nicht
erkennen, was direkt vor ihrer Nase liegt. Eigentlich nicht mal
vor der Nase, sondern selbst die Nase taucht auf in dem, was ich
bin. Ich bin das Subjekt und die Nase das Objekt. Mit Ich meine
ich nicht das Ego, nicht dieses Körper-Geistsystem, sondern
die Instanz die sich gewahr ist. Ein Gewahrsein von allem was ist.
Wie bereits erwähnt, lernen wir das üblicherweise nicht
im Laufe unseres Lebens. Es gibt Menschen, die das Sein erleben,
dass heißt sie wachen auf, ohne dies als solches zu erkennen.
Da ihnen niemand erklären kann, dass das, was ihnen widerfahren
ist, völlig in Ordnung ist, haben sie die berechtigte Angst
ausgelacht oder für verrückt erklärt zu werden: Deshalb
behalten sie diese Dinge lieber für sich. Wahrscheinlich sind
etliche der sogenannten Verrückten eigentlich Erwachte, die
keine adäquate spirituelle Begleitung haben.
Sein hat keine Eigenschaften, keinen Geruch, man kann es nicht anfassen
und der Verstand kann es niemals vollständig erfassen (eine
ziemlich frustrierende Erfahrung für die "Kopfbetonten"
unter uns. Ich habe auch einmal dazu gehört.). Auch der Verstand
selbst ist ein Objekt, das auftaucht.
F: Was hältst du von Meditationstechniken? Meinst du sie sind
überflüssig oder sogar hinderlich?
G: Meditationstechniken sind wundervoll, wenn du dich damit wohl
fühlst. Sie können bewirken, dass unser Gehirn aus dem
aktiven Betazustand in ruhigere Sphären eintaucht. Aber keine
Technik der Welt lässt dich Das erfahren, keine Technik kann
dich frei machen. Denn du bist - und vor allem warst du - schon
immer frei. Wir haben geglaubt Menschen zu sein und haben die damit
verbundenen Begrenzung als selbstverständlich hingenommen.
F: Sind wir etwa keine Menschen? Was meinst du genau?
G: Ich erfahre mich und jeden anderen als reines Sein, Licht, Liebe!
Was ist der Mensch? Da sind erst einmal der Körper, der Verstand,
Gedanken/Verstand, und dann noch die Gefühle. All diese Dinge
ändern sich, nur eins bleibt immer gleich: Das Gewahrsein aller
Veränderungen. Wenn du dich so weit wie möglich in deine
Kindheit zurück versetzt, wie war dein Bewusstsein von dir?
War das anders als jetzt oder genauso? Ich kennen niemanden, der
nicht antwortet, dass er früher dasselbe Bewusstsein von sich
hatte wie heute. Egal ob der Körper heute alt ist und man nicht
mehr so naiv in die Welt blickt. Da ist Etwas, das ist alterslos,
nicht berührt von Erlebnissen, Verletzungen und Enttäuschungen.
Das ist was du bist und schon immer gewesen bist!
Das Menschsein oder Tiersein, Autosein, Baumsein usw., ist eine
Aktivität oder ein Objekt, das in mir, dem Subjekt, auftaucht.
F: Wie kam es dazu, dass wir das nicht mehr wissen?
G: Das weiß ich natürlich nicht sicher, aber irgendwann
im Laufe der Evolution muss es einen Vorteil gebracht haben sich
mit dem Körper- Geist - System zu identifizieren. Vermutlich
hat sich die Menschheit über lange Zeit hinweg angepasst. Ein
Baby weiß nicht, dass es von der Welt getrennt ist. Wir bringen
ihm bei, dass es zu sich Ich sagt. Kleine Kinder sprechen von sich
in der 3. Person und erkennen nicht, dass sie es sind, die sie im
Spiegel sehen. Ab ca. 2 Jahren sagen sie plötzlich "ich"
und werden von ihren Eltern dafür gelobt. So verankert sich
sehr schnell der Glaube, dass ich mein Körper bin mit allem
was dazu gehört. Letztendlich ist es jetzt so wie es ist, und
wir haben Dank Satsang die Chance zu sehen was uns tatsächlich
nährt.
F: Wie hat Satsang dein Leben verändert?
G: Es hat mein Leben völlig verändert. Zuerst habe ich
mein damaliges zuhause auf La Gomera eingetauscht gegen das Herumreisen
mit Isaac Shapiro, den ich meinen Lehrer nenne. Stereoanlage, Haus
und Auto gegen einen Rucksack und eine ungewisse Zukunft. Der Drang
danach im Satsang zu sein war so stark, dass ich nicht anders konnte.
F: Hast du das bereut?
G: Im Gegenteil! Mein Leben hat sich so sehr verbessert, seit ich
erkannt habe wer ich wirklich bin.
Dazu war es in meinem Fall nötig alles hinter mir zu lassen.
Damals war das gerade möglich. Meine Frau hatte sich bereits
einige Jahre vorher von mir getrennt und die Kinder mitgenommen.
Ich war selbstständig und hatte auf Reisen die Möglichkeit
mit Bodywork meinen Unterhalt zu verdienen. So konnte ich über
4 Jahre ständig Satsang mit Isaac genießen.
Artikel im Magazin Ginkgo Hannover "Was uns nährt"
Nahrung gibt es für uns auf allen Ebenen und in vielerlei
Variationen. Die grundsätzlichste ist natürlich das Essen.
Hier können wir viel für eine gesund, ausgewogene und
unterstützende Nahrung tun. Wobei die Meinungen was damit gemeint
ist je nach Geschmack, Alter, Geldbeutel und gesundheitlicher Vorgeschichte
sehr verschieden sein kann. Einem 12 jährigen kann es z.B.
weniger einleuchten, als dem Endvierziger mit verschiedenen Beschwerden,
dass das Mittagessen dessen Zutaten aus dem Bioladen stammen, wertvoller
sein soll, als der geliebter Döner oder ein Besuch bei MacDonalds.
Doch uns nährt nicht nur die essbare Nahrung, sondern auch
alles was unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität erhöht.
So ist für den einen der Besuch der Oper oder eines Museums
Nahrung für die Seele, während ein anderer sportliche
Betätigung als nährend erachtet. Es gibt noch viele andere
Formen wie das Reisen, eine Massage, Besuche guter Freunde, die
Fußballweltmeisterschaft oder einfach ein ausgiebiger Spaziergang
im Wald.
Wenn wir also alle diese verschiedenen Bereiche abgedeckt haben,
bewusst gesund essen, Sport treiben, gesellig sind und doch allein
sein können, die kulturellen Angebote nutzen, aktiv und interessiert
bleiben, warum verfliegt dann die schönste Urlaubserinnerung,
das hervorragendste Kulturereignis so schnell und wieso ist in mir
immer noch ein Gefühl von Hunger, selbst wenn mein Bauch gut
gefüllt ist? Diese Art von Hunger kann nicht durch Äußerlichkeiten,
Objekte egal welcher Begierde oder Aktivität gefüllt werden.
Nach dieser Art der Nahrung sehnen und suchen die Menschen schon
so lange wir denken können. Denn gerade das Denken bewirkt
das wir unterscheiden können. Dies ist ein Tisch und das ist
ein Teppich. Hier bin ich und da drüben das bist du. Obwohl
ich ein Teil des Lebens und der Natur bin, besteht das Gefühl
ein getrenntes Wesen zu sein, individuell und allein, und das beginnt,
wenn ich von mir als „ich“ denke. Die Suche nach dem
verlorenen Paradies des Einsseins zeigt sich bei jedem Menschen
anders und mancher wird zum ewig Suchenden. Doch eine wachsende
Anzahl erkennt, dass sich das um eine Falle handelt. Sobald klar
wird, dass auch die vielen Workshops, Meditations-, Yoga- und Selbsterfahrungskurse
zu keiner anhaltenden Befriedigung führen und wir immer wieder
an den Punkt gelangen, dass nichts davon die Antwort gibt, landen
wir im glücklichsten aller Fälle im Satsang. Und wenn
wir noch mehr Glück haben, sind wir reif, hören, sehen
und erfahren zu dürfen wer wir wirklich sind. Dann wird uns
mit einem Schlag klar, warum wir tief im Innersten immer hungrig
geblieben sind und warum wir weltweit mit dem Bild hungernder Menschen
konfrontiert werden. Das spiegelt unseren Hunger nach DEM wieder.
Über alles was wir wahrnehmen, denken, fühlen, wissen,
können und glauben ist sich etwas bewusst das jenseits dessen
liegt was der Verstand begreifen kann. Und da erfahren wir endlich
wahre Befriedigung, das stillt den Hunger nach uns selbst, nach
Wissen und Erkenntnis und gibt uns Frieden.
Kolume im Gesundheitsmagazin Prisma München
Altes Wissen und Heilung:
Seitdem das Leben für die menschliche Spezies die Fähigkeit
entwickelt hat, denken zu können und über das Denken nachdenken
zu können, erschien das älteste innere Wissen und das
ist: „Ich bin“. Sobald unsere Aufmerksamkeit auf diesem
inneren Wissen ruht – und das ist hier und jetzt möglich
- gibt es nichts, was geheilt werden muss und nichts, was gewusst
werden muss. Mit anderen Worten, die ultimative Heilung geschieht
schon jetzt, innerhalb von uns und ist immer verfügbar, ohne
jegliche Anstrengung.
Im Laufe der Evolution hat sich für die Menschen die Fähigkeit
zu denken stark entwickelt und somit auch die Kapazität, sich
von unserem inneren Wissen abzuspalten. Deshalb versuchen viele
Menschen Heilung und Weisheit im „Außen“ zu finden.
Die meisten von uns glauben ja, es gibt mich als jemanden, der etwas
hinzugewinnen könnte, um Heilung oder Weisheit zu erlangen.
Wenn wir uns mit unserer Aufmerksamkeit in diesem Denkmodus aufhalten
und daran glauben, ist unser direktes Erleben Mangel. Dies regt
unseren Verstand, der uns immer helfen will, dazu an, etwas zu tun,
um dieses Loch zu füllen. Sobald wir also unser (Er-)Leben
durch den Filter des Verstandes betrachten, befinden wir uns in
einem „Teufelskreis“, ohne es zu bemerken. Was jedoch
die Weisen und Heiler über Jahrhunderte Wahrheit, Bewusstsein,
bedingungslose Liebe, Gott oder die Essenz von Allem genannt haben,
ist direkt in diesem Moment erfahrbar, wenn wir unsere Vorstellungen
loslassen. Kein angesammeltes Wissen und keine Fähigkeiten
werden dafür benötigt. Unsere Aufmerksamkeit muss nur
mal kurz das erhaschen, was hier ist und sich nicht bewegt: die
alles durchdringende Präsenz des Seins und plötzlich ist
unser eigenes Erleben Frieden. Jegliche Sehnsucht ist erfüllt
und Heil - Sein ist unsere Erfahrung ohne den schamanischen Heiler
aus Brasilien oder den heiligen Guru aus Indien. Ganz einfach hier
und jetzt, wo immer du dich in deinem Leben gerade befindest.
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