Über Satsang:

Was bedeutet Satsang? Das Sanskritwort SAT steht für Wahrheit, SANG(HA) heißt in Verbindung mit. Satsang bedeutet somit Zusammensein in Wahrheit. Wahrheit wird von den Weisen definiert als das, was immer hier ist und sich nicht ändert. Und wenn du mal schaust, findest du heraus, dass DU DAS bist, das immer hier ist und sich nicht ändert. Du als Bewusstsein, denn Du bist dir über die Bewegung der Objekte bewusst.

Wir alle werden mit Sehnsucht in uns geboren. Sie ist die treibende Kraft, die uns nach Entwicklung und Wachstum streben lässt. Sie ist auch die Ursache dafür, dass wir oft keine Ruhe finden und nach immer neuen Wegen zur Erfüllung suchen. Aber noch bevor sich die meisten Menschen bewusst werden konnten, was sich in ihnen sehnt und worauf diese Sehnsucht wirklich gerichtet ist, hat deren Umwelt ihnen schon vorgegeben, was sie sich wünschen sollten. Die gesamte Industrie lebt von dieser Kraft in uns und die Werbung hat die subtilsten Formen gefunden, sich ihrer zu bedienen.

Satsang ist die Einladung dieser Sehnsucht auf den Grund zu gehen und direkt zu erfahren, wie einfach es ist, diese Sehnsucht zu erfüllen, unabhängig von äußeren Wertigkeiten, Religions-, Nationalitätszugehörigkeiten und sozialen Umständen. Die Erfüllung der Sehnsucht ist erfahrbar und zugänglich für jeden und zwar jetzt und hier. Im Satsang gibt es die Einladung zur Selbsterforschung ohne ein Ziel zu haben.
Eins ist klar: immer, wenn wir schauen, haben wir die Erfahrung oder noch besser das Wissen: "Ich bin jetzt hier". Das ist direktes Wissen, ohne die Bestätigung von einem zweiten zu brauchen. Dieses direkte Wissen zu erforschen ist Satsang.
Meistens wollen wir unangenehme Erfahrungen loswerden und angenehme behalten, was so gut wie nie funktioniert. "Ich will", "ich will nicht" und "ich brauche" wird meistens als Anspannung erfahren mit dem Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmt. Wir beginnen dann, unsere Erfahrungen ändern zu wollen, und meistens entseht dann eine Art von innerer Verkrampfung. Wenn hierüber Bewusstheit entsteht und nichts verändert werden muss, weitet sich diese innere Zange und Krampf und Schmerz verwandeln sich in süßes Glück. Das ist das Ende der Suche.

Du brauchst keinen Meister, du brauchst keine Hingabe, du braucht überhaupt nichts, wenn du dir dieses Momentes bewusst bist. Und das bist du immer, wenn du wirklich schaust. Du bist der Meister, du bist die Hingabe, du bist dieser Moment, der in seiner Gesamtheit nicht zu beschreiben ist. Im Satsang wird Angst als eine Konstruktion des Geistes, als eine Projektion der Vergangenheit in die Zukunft erkannt, die jetzt nicht existiert. Hier und jetzt löst sich Angst auf, indem sie einfach als eine Aktivität des Denkens, an die geglaubt wurde ohne sie zu hinterfragen, entlarvt wird. Angst ohne die Idee von "ich" hat keine Substanz. Ohne Person kann Angst nicht existieren. In diesem Moment erkennst du, dass Angst zeitbedingt der Glaube an die Zukunft ist und Schuld der Glaube an die Vergangenheit.
Hier und jetzt ist klar, dass die Vergangenheit vorbei ist und die Zukunft noch nicht da ist. Wenn ich mich mit Vergangenheit und Zukunft beschäftige ist meine Aufmerksamkeit auf etwas Unreales gerichtet. Die indischen Weisen bezeichnen das als Maya, als die Illusion. Das heißt, dass die Aufmerksamkeit nicht mehr beim Sein ist, sondern beim Werden. Besser werden, reiner werden, heil werden, anders werden, im besten Fall erleuchtet werden.

Dieses Werden wird immer als anstrengend, als Anspannung erfahren und dann will man - na klar! - anders werden, etwas anderes werden. Das wird zum Teufelskreis und man versucht dann, die Anspannung los zu werden, oft ohne klar zu erkennen, dass der Versuch weg von hier niemals funktionieren wird und dass genau dieser Versuch weg von hier die Anspannung bedeutet.
Aber du kommst hier nicht weg, jedenfalls nicht jetzt, denn jetzt bist du hier. Egal wie viele Versuche du unternommen hast, egal wie viele Therapien du gemacht hast, egal welche Meditationstechniken du gelernt und angewendet hast, egal welche fantastischen spirituelle Erfahrungen du gemacht hast, egal mit wie vielen der größten Meister und wie oft du schon im Satsang gesessen hast, wenn du jetzt schaust, ist deine Erfahrung: ich bin hier! Wir wissen zwar nicht, was das ich ist, das hier ist, aber wir wissen, dass es so ist, und das ist alles, was wir wissen. Ich bin hier!
Ist meine Aufmerksamkeit bei dem, was ich weiß und nicht bei dem, was gedacht wird, dann existiert nicht mal mehr der Wunsch nach Freiheit, Frieden oder Erleuchtung. Denn wenn alles da ist fällt der Wunsch weg, es haben zu wollen. Ich bin dann endlich zuhause und stelle fest, ich war nie weg von zuhause, da es räumlich als auch zeitlich gar nicht möglich war und ist.
Dieses Wissen, dass du frei bist, dass du zuhause bist, dass du das liebst, was gerade ist, das gibt es nur hier und jetzt - und das bist DU.

 

Ramana Maharshi, 1879 - 1950, indischer Weiser

"Ich bin nicht der grobstoffliche Körper, der sich aus sieben Grundelementen zusammensetzt. Ich bin nicht die fünf Wahrnehmungsorgane des Hörens, Tastens, Sehens, Schmeckens und Riechens, die ihr jeweiliges Objekt, nämlich Klang, Berührung, Farbe, Geschmack und Geruch aufnehmen. Weder bin ich die fünf Organe der Tätigkeit, d.h. die Sprach-, Bewegungs-, Greif-, Ausscheidungs und Zeugungsorgane, deren jeweiligen Funktionen Sprechen, Bewegung, Greifen, Ausscheiden und Lustgenießen sind. Ich bin nicht einmal der denkende Geist und auch nicht der unbewusste Zustand, der nur die von Objekten hinterlassenen Eindrücke enthält, der frei von jeglicher Tätigkeit ist und in dem es keine Objekte gibt. Das, was allein übrig bleibt, nachdem alle oben erwähnten Beifügungen als "nicht dies", "nicht das" verneint worden sind, diese Bewusstheit - das bin ich."

 

Prof. Gerhard Roth, deutscher Hirnforscher, im Winter 2003

"Der Abschied vom Ich als Autor meiner Handlungen und die Feststellung "Ich ist ein Konstrukt" mögen sehr befremdlich klingen. Diese Feststellung mag uns den Boden unter den Füßen wegziehen", aber sie ist genauso zwingend wie alle Feststellungen über die Konstruktivität der Wirklichkeit."